Ein Gruppenfoto im Freien: die Teilnehmenden des ComoCamp 2026 stehen und sitzen dicht beieinander auf einer Wiese, im Hintergrund hohe, belaubte Bäume. Die Stimmung wirkt ausgelassen und herzlich, das satte Grün und das natürliche Licht geben dem Bild eine sommerlich-entspannte Community-Atmosphäre.
Foto: Livia Schimak

Letzte Woche war ich in Wien, wo ich auch dieses Jahr wieder das ComoCamp besucht habe. Bei diesem einzigartigen Open Space kommen Praktikerinnen und Praktiker kollaborativer Modellierungsmethoden zusammen. Auch in diesem Jahr habe ich wieder eine von Begegnungen auf Augenhöhe und gemeinsamem Lernen geprägte Veranstaltung erlebt.

Dienstag: Community Dinner

Das ComoCamp begann für mich schon am Vorabend des ersten offiziellen Tages: Tobias Brennecke hatte ein Pre-Conference Community Dinner organisiert. Bei leckerem japanischem Essen ergaben sich erste tolle Gespräche, alte Bekannte trafen sich wieder und neue Gesichter kamen hinzu.

Vielen Dank an Tobias für die Organisation!

Mittwoch: Workshops

Der erste offizielle ComoCamp-Tag ist traditionell ein Workshop-Tag. An diesem Mittwoch nahm ich an zwei Workshops teil.

Im Workshop „Architectural Roleplay“ von Stefan Priebsch ging es um einen kollaborativen Modellierungsansatz, bei dem die Teilnehmenden eine Domäne erkunden, indem sie Rollen in einem konkreten Szenario einnehmen. Statt das System nur von außen zu beschreiben, schlüpften wir in die Interaktionen, die es prägen: Wer handelt? Wer entscheidet? Welche Informationen werden benötigt? Wo finden Übergaben statt? Und welche Randbedingungen beeinflussen den Ablauf?

Die Teilnehmenden der Architectural Roleplay Session spielen den Ablauf einer Auktion nach.
Die Teilnehmenden der Architectural Roleplay Session spielen den Ablauf einer Auktion nach.

Stefan wurde dabei spontan von drei weiteren Moderatoren unterstützt: Tobias Goeschel dokumentierte die Ergebnisse des Rollenspiels in der Notation von Event Storming, Stefan Hofer in der Notation von Domain Storytelling und Bastian Waidelich in Freiform. So entwickelten und dokumentierten wir ein gemeinsames Verständnis des Prozesses.

Stefan Hofer dokumentiert Ergebnisse des Rollenspiels in der Notation von Domain Storytelling.
Stefan Hofer dokumentiert Ergebnisse des Rollenspiels in der Notation von Domain Storytelling.

Der zweite Workshop, an dem ich teilnahm, war „System Overboard! The Whodunit of Software Design“ von Jacqui Read. Jacqui hatte ein Spiel im Stil eines Mordrätsels vorbereitet: Die eine Hälfte der Gruppe übernahm die Rolle von Beratern, die andere Hälfte spielte Domänenexperten an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Die Domänenexperten erhielten Hefte mit Hintergrundinformationen zu ihrer Rolle und ihren Geheimnissen sowie ein gemeinsames Skript, das im Verlauf des Workshops mehrfach genutzt wurde, um die Geschichte voranzutreiben. Eine wirklich beeindruckende Erfahrung!

Donnerstag: Open Space

Am Donnerstag und Freitag fand jeweils Open Space statt. Am Donnerstag besuchte ich drei Sessions.

In „Modeling Technical Domains“ von Gregor Hohpe diskutierten wir die Fragen, was technische Domänen (Entwicklungswerkzeuge, Platform Engineering, ...) von Business-Domänen unterscheidet, wann eine technische Domäne zur Business-Domäne wird und ob beziehungsweise wie wir technische Domänen modellieren. Ich war in einer Gruppe, die diesen Fragen am Beispiel von PHPUnit (oder abstrakter: am Beispiel von Entwicklungswerkzeugen) nachgegangen ist.

Eine Aussage von Gregor hallt bei mir noch nach:

Abstraction must be more than the sum of the components, it must give us a new language.
Nobody orders "Flour, Tomato, Mozzarella", they order "Pizza Margherita".

In einer Session von Ted M. Young spielten wir das von ihm entwickelte Brettspiel „JitterTed's TDD Game“, bei dem es darum geht, möglichst viel Code fehlerfrei zu committen. Basierend auf Predictive Test-Driven Development entscheiden wir, ob wir Risiko eingehen und Tests überspringen oder ob wir auf Nummer sicher gehen und entlang des Weges weniger Code schreiben. Ich habe das Spiel zum ersten Mal gespielt, und es hat Spaß gemacht.

JitterTed's TDD Game
JitterTed's TDD Game

In der Session „Executable Event Model“ stellte Martin Lorenz Reventless vor: ein typsicheres CQRS-Framework auf Basis von Event Sourcing für Serverless-Anwendungen, das Event Sourcing zugänglich und KI-freundlich machen soll.

Freitag: Open Space

Auch am Freitag besuchte ich drei Open Space Sessions.

In „Craft Still Matters“ hat Gregor Riegler die Ideen aus seinem Artikel The Complexity Wall als Vortrag aufbereitet. Wir Entwicklerinnen und Entwickler waren schon immer darauf bedacht, Code klein und verständlich zu halten. Wir haben den Luxus, uns zu beschweren, wenn wir Code nicht verstehen. Diesen Luxus haben KI-Agenten nicht. Wenn wir an die „Komplexitätswand“ stoßen, helfen uns Disziplin und Handwerk. Ein Agent dagegen will die „normalste“ Lösung liefern, nicht zwingend eine gute.

In der von Paul Schmiedel vorgeschlagenen Session zu Claude Mythos diskutierten wir unter anderem mit Gregor Hohpe über die Konsequenzen von KI-Coding-Agenten, insbesondere solchen mit Fokus auf Security, für Open-Source-Software: Plötzlich gibt es einen Business Case für regelmäßige Upgrades. Manche Open Source-Projekte könnten sterben: Sicherheit als Booster der natürlichen Selektion. Das sind keine neuen Probleme, aber solche, die durch KI dramatisch verstärkt werden.

Gregor Hohpe fasst die Erkenntnisse aus der Diskussion über die Auswirkungen von KI im Allgemeinen und Claude Mythos im Besonderen auf Open Source mit Sticky Notes zusammen.
Gregor Hohpe fasst die Erkenntnisse aus der Diskussion über die Auswirkungen von KI im Allgemeinen und Claude Mythos im Besonderen auf Open Source mit Sticky Notes zusammen.

Die letzte Session, die ich am Freitag besuchte, war „Should we really kill the aggregate?“ von Martin Lorenz, inspiriert von Sara Pellegrinis Artikel-Serie. Wir diskutierten insbesondere das Konzept der Dynamic Consistency Boundary, die Komplexität aus der Anwendung in den Event Store verschiebt. Ein Highlight: Sara Pellegrini selbst nahm an der Diskussion teil.

Danke!

Was das ComoCamp für mich so wertvoll macht, ist die außergewöhnliche Gemeinschaft. Diese inklusive Atmosphäre, in der Wissensaustausch hierarchiefrei stattfindet, habe ich bisher nur auf dem ComoCamp und der SoCraTes erlebt.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Stefan Priebsch, Henning Schwentner, Martin Schimak und Daniel Sack sowie ihren „helping hands“ bedanken, die diese Veranstaltung ehrenamtlich auf die Beine stellen. Ihr Engagement ermöglicht es uns allen, in diesem inspirierenden Umfeld zu wachsen und gemeinsam die Zukunft der kollaborativen Modellierung zu gestalten.

Bis zum nächsten Mal!