Die PHP-Community hat sich schon immer durch ihre Open Source-Werte ausgezeichnet. Dieselben Prinzipien, die uns bei der Softwareentwicklung leiten – Transparenz, Zusammenarbeit, Community-Kontrolle und freier Informationsaustausch – sollten auch für unsere digitalen Kommunikationsräume gelten. Die großen, zentralisierten Social Media-Plattformen stehen diesen Werten zunehmend entgegen: Undurchsichtige Empfehlungsalgorithmen, systematische Verhaltensauswertung und eine Infrastruktur, die Desinformation, Hassrede und autoritäre Tendenzen strukturell begünstigt, sind heute eher die Regel als die Ausnahme.
Unsere Online-Spaces als PHP-Community sollten frei sein von dieser algorithmischen Manipulation und den faschistischen Tech-Bros, die diese Infrastruktur vorantreiben. Genau hier kommen das Fediverse, ActivityPub, phpc.social und phpc.tv ins Spiel.
Das Fediverse und ActivityPub
Das Fediverse bietet eine grundlegend andere Architektur für soziale Netzwerke. Anstelle zentralisierter Plattformen, die von Konzernen kontrolliert werden, besteht es aus vielen unabhängigen Servern (Instanzen), die miteinander kommunizieren können. Das ist vergleichbar mit der Funktionsweise von E-Mail.
Die technische Grundlage dafür ist ActivityPub, ein offener, dezentraler Standard des W3C, der im Januar 2018 veröffentlicht wurde. Er definiert, wie Server miteinander kommunizieren und wie Clients, also beispielsweise unsere Apps, mit Servern interagieren.
Das Protokoll arbeitet mit dem Activity Streams 2.0-Format, das auf JSON-LD basiert. Jeder "Actor" (im Wesentlichen ein Benutzerkonto) hat eine Inbox für eingehende Nachrichten und eine Outbox für ausgehende Aktivitäten. Wenn du einen Beitrag erstellst, einer anderen Nutzerin bzw. einem anderen Nutzer folgst oder einen Beitrag teilst, werden diese Aktivitäten als strukturierte Nachrichten verpackt und an die entsprechenden Server verteilt.
Der entscheidende Unterschied ist, dass es keine zentrale Instanz gibt, die alles kontrolliert.
Jeder Server kann seine eigenen Regeln und Moderationsrichtlinien festlegen. Communities können sich somit selbst organisieren und Standards setzen, die zu ihren Werten passen.
Die Dezentralisierung reduziert das Risiko von Zensur und Ausbeutung erheblich. Nutzerinnen und Nutzer sind nicht mehr den Regeln und Algorithmen eines einzelnen Konzerns ausgeliefert. Sie können Plattformen frei wählen, die unterschiedlichen Nischen und Zielgruppen gerecht werden, ohne Angst vor willkürlicher Zensur oder algorithmischer Unterdrückung haben zu müssen.
Mastodon
Mastodon ist die bekannteste Plattform im Fediverse und die direkteste Alternative zu Twitter. Der Mastodon-Server ist freie Software, die seit 2016 unter der GNU Affero General Public License (AGPL) entwickelt wird. Viele der Mastodon-Clients sind ebenfalls freie Software.
Die chronologische Timeline ohne Algorithmus ist vielleicht der wichtigste Unterschied. In deiner Mastodon-Timeline werden einfach alle Beiträge der Accounts, Gruppen und Hashtags, denen du folgst, in chronologischer Reihenfolge angezeigt – neueste zuerst.
Es findet keine Verfolgung deines Verhaltens statt. Es gibt keine algorithmische Manipulation, die dich in eine Filterblase drängt oder deine Timeline mit "empfohlenen" Inhalten überflutet, die du nie angefordert hast. Was du siehst, wird nicht von einer undurchsichtigen KI bestimmt, sondern von deinen eigenen Entscheidungen, wem du folgst.
Für viele, die sich an algorithmische Feeds gewöhnt haben, mag das zunächst befremdlich wirken. Aber genau darin liegt die Stärke: Du hast die Kontrolle. Du kannst unerwünschte Inhalte mit Filter-Funktionen ausblenden. Du kannst mit Listen deine Timeline in thematische Mini-Timelines organisieren. Aber niemand außer dir entscheidet, was du siehst oder nichts siehst.
Es gibt keine Werbung: Mastodon-Instanzen finanzieren sich typischerweise durch Spenden, nicht durch Werbung. Das bedeutet: keine Werbeunterbrechungen, kein Verkauf deiner Daten an Werbetreibende und keine Optimierung der Plattform für "Engagement" auf Kosten deiner mentalen Gesundheit.
Erweiterte Privatsphäreeinstellungen: Bei Mastodon kannst du für jeden Beitrag individuell festlegen, wer ihn sehen kann: alle (öffentlich), nur die Accounts, die dir folgen, nur bestimmte Accounts oder "unlisted" (öffentlich, aber nicht in öffentlichen Timelines).
Community-Moderation: Jede Mastodon-Instanz hat ihre eigenen Verhaltensregeln sowie ihr eigenes Moderationsteam. Wenn dir die Moderation auf einer Instanz nicht gefällt, kannst du zu einer anderen wechseln und dabei deine Follower mitnehmen. Diese dezentrale Moderation verhindert die Willkür, die wir von zentralisierten Plattformen kennen.
phpc.social: Die Mastodon-Instanz der PHP-Community
Die PHP-Community betreibt mit phpc.social ihre eigene Mastodon-Instanz.
Die Mission von phpc.social ist klar: Es soll ein sicherer und freundlicher Raum für Diskussionen der PHP-Community geschaffen werden. Ein Code of Conduct wird von einem ehrenamtlichen Moderationsteam durchgesetzt. phpc.social ein lebendiger Hub für PHP-Diskussionen, Framework-Entwicklung, Paketveröffentlichungen, Tool-Empfehlungen, Open Source und vieles mehr.
Von der Community, für die Community: php.social verkörpert die Open-Source-Prinzipien, die uns als Menschen, die mit PHP arbeiten, wichtig sind: Transparenz, kollaborative Teilnahme, Respekt und communityorientierte Entwicklung.
PeerTube
PeerTube ist das YouTube-Äquivalent im Fediverse: eine freie, quelloffene und dezentrale Video Hosting-Plattform, die ebenfalls auf ActivityPub basiert.
PeerTube nutzt eine clevere technische Lösung: die Peer-to-Peer-Technologie (WebRTC P2P) zur Verteilung von Videos. Wenn du dir ein Video auf PeerTube ansiehst, lädst du es nicht nur vom Server herunter, sondern teilst gleichzeitig Teile des Videos mit anderen, die dasselbe Video schauen.
Dadurch wird die Last auf viele Peers verteilt, wenn ein Video viral geht, und ein zentraler Server wird nicht überlastet. Das macht PeerTube skalierbarer und nachhaltiger.
Zensurresistenz: Videos werden wie Torrents behandelt. Selbst wenn eine PeerTube-Instanz offline geht, können Nutzerinnen und Nutzer, die das Video bereits gesehen haben, es weiterhin seeden. Dadurch wird es schwieriger, Inhalte komplett zu löschen.
Es gibt keine Algorithmen. PeerTube nutzt keine undurchsichtigen Empfehlungsalgorithmen, die bestimmen, was du als Nächstes siehst. Die Entdeckung von Inhalten ist transparent und community-gesteuert statt algorithmisch, sodass du nicht möglichst lange auf der Plattform gehalten werden sollst.
Creator-Autonomie: Auf PeerTube haben Creator:innen die volle Kontrolle über ihre Inhalte, ohne Angst vor plötzlicher Demonetarisierung oder algorithmischer Benachteiligung. Die Monetarisierung erfolgt durch Spenden, Crowdfunding oder Abonnements – direkt von der Community, ohne dass ein Konzern einen Anteil davon abzwigt.
Föderation: Verschiedene PeerTube-Instanzen können sich verbinden und Inhalte teilen. Du kannst einem PeerTube-Kanal von deinem Mastodon-Account aus folgen und neue Videos erscheinen in deiner Mastodon-Timeline. Diese Interoperabilität ist ein Kernmerkmal des Fediverse.
phpc.tv: Die PeerTube-Instanz der PHP-Community
Die PHP-Community betreibt mit phpc.tv ihre eigene PeerTube-Instanz.
phpc.tv bietet einen Raum für PHP-bezogene Video-Inhalte: Conference Talks, Tutorials, Demos, Live Coding Sessions und mehr. Genau wie phpc.social ist es ein Community-Projekt – von der PHP-Community für die PHP-Community.
Transparenz durch Community-Finanzierung
Beide Plattformen, phpc.social und phpc.tv, gehören der Community, stehen aber an unterschiedlichen Stellen: Während phpc.social schon lange spendenbasiert und vollständig transparent über seine Finanzen informiert, wurde phpc.tv erst in der letzten Nacht von Anna Filina gestartet. Aktuell gibt es daher noch keine Möglichkeit, den Betrieb von phpc.tv finanziell zu unterstützen; es ist aber davon auszugehen, dass Anna daran arbeitet, auch hier Spenden zu ermöglichen. Sobald das der Fall ist, werde ich den Betrieb von phpc.tv genauso unterstützen, wie ich es heute schon für phpc.social tue.
Bei phpc.social können alle sehen, wie viel Geld eingenommen wird, wofür es ausgegeben wird, und wer die Plattform durch Spenden unterstützt. Diese Transparenz ist ein fundamentaler Unterschied zu kommerziellen Plattformen.
Das schafft Vertrauen und Verantwortlichkeit. Die Community finanziert die Plattform, also gehört die Plattform der Community. Diejenigen, die aktiv beitragen, haben Einfluss auf die Richtung des Projekts.
Die Finanzierung durch monatliche oder jährliche Spenden schafft auch eine nachhaltigere Grundlage als Werbung oder Risikokapital. Die Plattform muss nicht wachsen, wachsen, wachsen, um Investorinnen oder Investoren zu befriedigen. Sie muss nur genug Geld sammeln, um ihre Betriebskosten zu decken.
Mach mit!
Mit phpc.social und phpc.tv hat die PHP-Community zwei bemerkenswerte Projekte ins Leben gerufen, die zeigen, wie digitale Community-Räume aussehen sollten: Sie sind offen, transparent, von der Community kontrolliert und frei von algorithmischer Manipulation sowie faschistischen Tech-Bros.
Diese Plattformen brauchen uns alle. Sie brauchen:
- Nutzerinnen und Nutzer, die aktiv posten, diskutieren und sich engagieren
- Moderatorinnen und Moderatoren, die dabei helfen, einen freundlichen und sicheren Raum zu erhalten
- Finanzielle Unterstützerinnen und Unterstützer, die mit monatlichen oder jährlichen Spenden helfen, die Betriebskosten zu decken
- Technische Beitragende, die bei Administration und Entwicklung helfen
Die großen Tech-Konzerne und ihre algorithmengesteuerten Plattformen werden nicht von selbst verschwinden. Aber wir müssen nicht auf sie angewiesen sein. Mit dem Fediverse gibt es bereits eine funktionierende Alternative, die unseren Open Source-Werten entspricht.
phpc.social und phpc.tv sind Beispiele dafür, dass communitybetriebene, dezentrale soziale Netzwerke nicht nur möglich, sondern bereits Realität sind. Sie zeigen, dass wir digitale Räume schaffen können, die uns gehören – nicht Mark Zuckerberg, nicht Elon Musk und auch keinem Tech-Konzern.
Lasst uns gemeinsam diese Räume aufbauen und pflegen! Die Zukunft der sozialen Medien sollte dezentral, transparent und community-gesteuert sein. Die Zukunft ist das Fediverse.